
Nicolas Faure, Le Lac Bleu. Val d’Arolla (VS). August, 1997
Auf der Farbfotografie des Genfer Künstlers Nicolas Faure ist ein türkisblauer Bergsee inmitten der Alpen zu sehen. Der kleine See ist in eine hügelige Landschaft eingebettet, die bewachsen ist mit Gras, Buschwerk und Tannen. Erdige Trampelpfade durchziehen das saftige Grün. Rund um den See haben sich Menschen zum Baden, Spielen und Verweilen eingefunden. Ein paar Wanderer sitzen während der Mittagsrast unweit des Ufers in der Wiese, andere schreiten dicht aufeinanderfolgend auf den schmalen Pfaden. Hinter dem See fällt das felsige Gelände steil ab. Auf der gegenüberliegenden Talseite erstreckt sich der Bergfuss des nächsten Gebirgszuges.
Die idyllische Berglandschaft ist ein gängiges Motiv der Schweizer Kunst. Künstler wie Balthasar Burkhard oder Alois Lichtsteiner haben sich dem Thema angenommen. Ein klassisches Beispiel aus vergangener Zeit ist der Maler Caspar Wolf. Bei einem Vergleich der Fotografie von Nicolas Faure mit den Bildern der erwähnten Künstler fällt vor allem eines auf: Das Bild von Faure ist keine Bergidylle. Mit nüchternem Blick hält Faure einen belebten Ort in den Bergen fest, dem die Wirkung der Überwältigung fehlt. Mit der Perspektive der Aufsicht vereitelt Faure die ehrfürchtige Sicht hinauf in die scheinbar unerreichbaren Berggipfel.
Anhand von mehreren Fotografien von touristischen Aktivitäten in den Alpen verweist der Künstler auf die Nutzung der Bergidyllen durch den Menschen. In Aletschgletscher (1989) sitzt eine Wandergruppe auf Felsblöcken und beobachtet einen Drachenflieger; in Grand Raid Cristalp 97, Pas de Lona. Val d'Hérens (VS), August (1997) schieben Mountain Biker ihre Fahrräder eine Bergflanke hinauf; Silvaplana (GR), Juli (1988) zeigt Windsurfer, die am Seeufer auf ihre Bretter steigen. Oft münden Nicolas Faures Serien, in denen er Landschaften der Schweiz fotografiert, in Publikationsprojekten. So dokumentierte der Künstler in Switzerland on the Rocks (1992) Findlinge in der Schweiz. Oder er betrieb fotografische Recherchen zu Schweizer Autobahnen, die er in Autoland. Bilder aus der Schweiz (1999) veröffentlichte. In der Thematisierung des Spannungsfelds zwischen Landschaft und Zivilisation findet sich der gemeinsame Nenner dieser Bildserien.
Bildbetrachtung mit Astrid Näff
Jeden Dienstag, 12.15 − 12.45 Uhr
1./8./15./22. und 29. Mai 2012
